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Steuern auf Casinogewinne — was das Finanzamt wirklich will

Die gute Nachricht zuerst: deine Gewinne sind steuerfrei. Die schlechte: die Steuer, die der lizenzierte Anbieter zahlt, zahlst in Wahrheit du — über die RTP. Und drei Situationen, in denen das Finanzamt doch ins Spiel kommt.

Lukas Neumann
Lukas NeumannRedakteur und Spieler-Ombudsmann. Ich teste Casinos seit 2017 mit eigenem Geld und helfe seit 2023 deutschen Spielern, festhängende Auszahlungen zurückzuholen.

Veröffentlicht am 8. Oktober 2026 · aktualisiert am 20. Oktober 2026

Gewinne: steuerfrei, mit oder ohne Lizenz

Glücksspielgewinne gehören zu keiner der sieben Einkunftsarten des Einkommensteuergesetzes. Sie sind deshalb steuerfrei — für den Lottogewinn genauso wie für den Slot-Gewinn bei einem Casino mit Curaçao-Lizenz. Die Lizenz des Anbieters spielt für deine Steuer keine Rolle. Das haben Finanzgerichte wiederholt bestätigt, zuletzt für Online-Poker nur mit der Ausnahme „Berufsspieler“ (siehe unten).

Die 5,3 % Virtuelle Automatensteuer

Seit dem 1. Juli 2021 zahlen Anbieter mit deutscher Erlaubnis nach dem Rennwett- und Lotteriegesetz 5,3 % auf jeden Einsatz an virtuellen Automatenspielen — auf den Einsatz, nicht auf den Gewinn oder den Rohertrag. Bei einem Slot mit 96 % RTP beträgt der Hausvorteil 4 %; eine Steuer von 5,3 % auf den Einsatz wäre höher als der gesamte Hausvorteil. Deshalb geben die Anbieter sie weiter: deutsche Versionen bekannter Slots laufen mit 90–94 % RTP statt der Herstellerversion. Das ist kein Gerücht, sondern steht in den Spielinfos der Anbieter. Bei 1.000 € Umsatz sind 5 Prozentpunkte RTP 50 € — jedes Mal. Rechne es mit deinem Umsatz nach.

Casinos ohne LUGAS zahlen diese Steuer nicht und bieten die Herstellerversion an. In unseren Stichproben stimmten 48 von 50 RTP-Werten mit den Herstellerangaben überein. Das ist der eigentliche wirtschaftliche Grund, warum der „ohne LUGAS“-Markt existiert — nicht die Boni.

Drei Ausnahmen, in denen das Finanzamt doch kommt

  1. Berufsspieler. Wer planmäßig, nachhaltig und mit Gewinnerzielungsabsicht spielt und davon lebt, kann gewerbliche Einkünfte erzielen. Der BFH hat das für Poker bejaht; für Slots ist es praktisch ausgeschlossen, weil Geschicklichkeit fehlt. Für Sportwetten in Grenzfällen möglich.
  2. Erträge aus dem Gewinn. Der Gewinn ist steuerfrei, Zinsen und Dividenden aus seiner Anlage nicht. Ab dem Tag der Gutschrift gilt die normale Kapitalertragsteuer.
  3. Krypto. Zahlst du USDT oder BTC aus und tauschst später in Euro, ist der Kursgewinn zwischen Auszahlung und Verkauf ein privates Veräußerungsgeschäft (§ 23 EStG) — steuerpflichtig, wenn innerhalb eines Jahres verkauft und die Freigrenze von 1.000 € überschritten wird. Dokumentiere Kurs und Datum der Auszahlung.

Große Eingänge auf dem Konto

Banken melden nach dem Geldwäschegesetz ungewöhnliche Eingänge, und das Finanzamt kann bei einer Prüfung nach der Herkunft fragen. Du musst dann nicht versteuern, aber belegen: Auszahlungsbestätigung des Casinos, Screenshots von Transaktionsverlauf und Konto, bei Krypto die Wallet-Historie. Heb diese Belege auf, solange du das Geld hast. Und denk daran: der Beleg zeigt dem Finanzamt die Teilnahme an einem in Deutschland nicht erlaubten Spiel — die Behörden tauschen solche Informationen nicht systematisch aus, aber § 285 StGB gilt.

Verluste absetzen?

Nein. Was steuerfrei gewinnt, kann steuerlich nicht verlieren. Verluste bei Anbietern ohne deutsche Lizenz können nur zivilrechtlich zurückgefordert werden — eine andere Baustelle.

Das ist eine allgemeine Darstellung der Rechtslage und keine Steuerberatung. Bei größeren Beträgen oder Krypto lohnt sich ein Steuerberater — eine Stunde kostet weniger als ein Fehler.

Fragen

Muss ich Casinogewinne in der Steuererklärung angeben?

Nein, Glücksspielgewinne von Privatspielern sind keine Einkünfte und gehören nicht in die Erklärung. Heb aber Belege auf, falls die Bank oder das Finanzamt nach der Herkunft eines Eingangs fragt.

Zahle ich bei einem Casino ohne LUGAS irgendeine Steuer?

Nein — weder du noch das Casino zahlt die deutsche Einsatzsteuer. Dafür spielst du mit der Herstellerversion der Slots (meist 96 % RTP) statt der auf 90–94 % reduzierten deutschen Version.

Was ist mit Gewinnen in Krypto?

Der Spielgewinn selbst ist steuerfrei. Steigt der Kurs der Coins zwischen Auszahlung und Verkauf, ist dieser Kursgewinn ein privates Veräußerungsgeschäft — steuerpflichtig bei Verkauf innerhalb eines Jahres über der Freigrenze von 1.000 €.